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Woran erkennt man guten Wein?

Einen guten Wein, bitte…

Weingeschmack ist wie Kunst – für jeden individuell definierbar und subjektiv.
Doch wie soll man dann guten Wein definieren? Geschmäcker sind unterschiedlich und auch das Flaschendesign gibt nicht unbedingt Aufschluss darüber was den Weingeschmack ausmacht. Auf welche Faktoren bei der Empfehlung kann man zurückgreifen? Wir Weinliebhaber sind dem guten Geschmack mal auf den Flaschengrund gegangen. Cheerio

Einen vollmundig Roten, mit harmonischem Abgang, ohne pelzigen Geschmack dafür mit blumig fruchtigem Aroma aber mit nicht zu viel Säure, dafür mit spritzigem Nachgang, bitte.
Bitte was wird hier bestellt? Was sich anhört wie ein Kunstwerk à la Picasso, kann so manchen Weinkauf zu einem Erlebnis machen.

Uns stellte sich nämlich die Frage: Woran erkennt man eigentlich einen guten Wein?

  • Ist es die Flaschenform?
  • Die Hinweise auf dem Etikett?
  • Der Verschluss – Kork oder doch Drehverschluss?
  • Die Farbe?
  • Der hohe Preis?

Das sind alles harte Weinfaktoren. Fragen, die sich stellen wenn man im Weinladen oder Supermarkt vor dem Weinregal steht und nach guten Weinen Ausschau hält. Aber kann die Optik einer Weinflasche auch die Qualität bestimmen?
Jain.

Natürlich geben sich Winzer, die aus ihren Trauben das Beste herausgeholt haben auch Mühe, dies auf den Flaschen für den Verkauf zu zeigen.

Aber auch Weine, die mit einem Qualitätssiegel versehen sind, müssen nicht direkt den eigenen Geschmack treffen. Unumstritten ist, dass bei diesen Weinen (Beerenlese, Eiswein, etc.) hohe Qualitätsstandards bei der Traube selbst und der Weiterverarbeitung eingehalten werden, um das bestmögliche Weinergebnis und -erlebnis zu erzielen.

Trotzdem muss nicht unbedingt ein teurer Wein immer gut schmecken. Wichtig ist hier beim Einkauf darauf zu achten, dass die Flasche Wein länger lagerbar ist.
Zur besseren Orientierung haben wir hier ein paar weiche Weinfaktoren aufgegliedert, welche die Suche nach dem individuell persönlich passenden Wein etwas einfacher macht:

OPTIK – Aussehen

Weinflaschen, Weinetiketten und Verschlüsse sind die Faktoren, die augenscheinlich direkt auffallen und die einen Weinkauf beeinflussen können. Trotzdem gibt eine schön gestaltete Flasche nicht Auskunft darüber, ob der Wein auch schmeckt.

Regel Nummer eins heißt also: Probieren geht über (Optik) studieren.
Sobald man eine Flasche öffnet und den Inhalt in ein Weinglas füllt, kann man sich an der Konsistenz orientieren.

BODENSATZ – DEPOT

Sobald Schwebeteile, also Rückstände im Wein oder Bodensatz vorhanden sind kann dies ein Zeichen von Überlagerung sein. Aber kein Grund zur Sorge denn dieses sogenannte Depot besteht aus Gerb- und Farbstoffen, die sich nach gewisser Zeit am Boden der Weinflasche absetzen (vorwiegend zu beobachten bei Rotwein).

Ein Blick auf das Etikett verrät, von welchem Jahrgang der Tropfen in der Flasche herrührt. Um diesen Bodensatz von der Flüssigkeit zu trennen empfiehlt es sich den Wein zu dekantieren – der Geschmack leidet nicht unter diesen kleinen Schwebteilen, zeigt aber auf wie lange die Flasche bereits im Regal steht.

Wenn sich jedoch neben Weinsatz und dem Depot weitere Trübstoffe in der Flasche befinden, kann dies ein Indiz für schlechten Wein sein und man sollte diesen besser aussortieren.

FARBE

Weine zeigen zudem je nach Jahrgang und Rebsorte ein unterschiedliches Farbspektrum auf. Rotweine werden beim Älterwerden heller (auch ein Zeichen für länger hält sich die Farbe besser).

Die roten Farbnuancen orientieren sich zwischen rubinrot und erbeerfarben.

Weißwein hingegen wird mit der Zeit dunkler. Goldgelb bis Bernsteinfarben.

Ob rot oder weiß – für beide Sorten gilt, dass jede Weinsorte Erwartungswerte mit sich führen. Somit ist ein Spätburgunder nicht so farbintensiv wie ein Syrah. Aber auch hier gilt, dass wenn die Farbe je nach Rebsorte perfekt rein sein sollte, der Geschmack in eine andere Richtung schwebt. Bei Rosé und Weißwein kann man sich jedoch merken, dass diese immer klar sein und keine Trübstoffe enthalten sollten (Ausnahmen bestätigen in geringer Menge die Regel). Wenn dann doch eigenartige Partikel in der Flasche herumschweben sollten, stimmt etwas mit dem Wein nicht.

LAGERUNG nach dem ÖFFNEN

Sobald sich eine gute Flasche Wein gefunden hat und man gerne am nächsten Tag den gleichen Wein genießen möchte, sollte man auf die Lagerungsbedingungen achten. Dazu haben wir Weinliebhaber hier Kniffe und Tricks zusammengestellt.
Wichtig ist, dass egal ob rot oder weiß die angebrochenen Flaschen kühl zwischengelagert werden sollen.

Sollte sich einmal der Korken über den Flaschenhals hinaus abbilden (noch bei ungeöffneten Flaschen) ist dies ein Indiz für eine fehlerhafte Lagerung aufgrund von zu hohen Temperaturen – Finger weg.

GLYZERIN und KIRCHENFENSTER

Schon einmal was von Kirchenfenstern im Weinglas gehört? Dieser Effekt tritt auf wenn man den Wein im Glas schwenkt und dieser dann an der Glaswand schlierenförmig herunter läuft. Vor ein paar Jahren wurde diese Erscheinung als ein absolutes Qualitätsmerkmal eines guten Weines gesehen. Vollbauchige dicke Kirchenfenster sind also (auf natürlichem Wege entstanden) ausschlaggebend für einen gut erzeugten Wein aber was haben die Kirchenfenster mit Glycerin am Hut?

Bedingt durch ein physikalisches Gesetz ist die chemische Zusammensetzung von Wasser und Alkohol unterschiedlich – der Alkohol im Wein verdampft schneller aufgrund der schnelleren Siedetemperatur an der wärmeren Glaswand und bekommt dadurch eine andere Konsistenz, die weniger schnell wieder nach unten rinnt (Marangoni-Effekt).
Diese Zähflüssigkeit wird durch die Zugabe von Glycerin vorangetrieben, sodass vor ein paar Jahren der Kirchenfenster-Effekt absichtlich diversen Weinen zur „Qualitätssteigerung“ verabreicht wurde. Durch Weinkontrollämter werden seit 2008 Weinhersteller genauestens auf eine zusätzliche Zugabe von Glycerin kontrolliert um auch so ausländische Weine besser im Auge zu behalten und erst gar nicht auf den Markt bringen zu können.

SCHAUMBILDUNG

Ausgenommen bei Schaumweinen, sollte sich beim Einschenken keine Bläschenbildung im Glas abbilden. Dieser Prozess tritt bei einer Nachgärung in der Flasche selbst auf und ist folglich ein Fehler des Weinherstellers. Aufgrund dessen gewinnt der Wein Nebenaromen, die den Geschmack und das Aroma verfälschen.

ALKOHOLGEHALT

Umso mehr Alkoholgehalt im Wein ist, desto intensiver ist die Schlierenbildung.
Umso länger ein Wein im Fass gelagert wurde und dadurch reifen konnte, desto mehr Alkohol bildet sich. Grund dafür ist der höhere Zuckeranteil in den Trauben sobald diese vollreif sind.

Eigentlich ein Zeichen dafür, dass es sich um edle Tropfen handelt, die hohen qualitativen Standards entsprechen. Jetzt heißt es aber nicht Augen auf den Alkoholgehalt beim Flaschenkauf. Natürlich verstärkt eine gewisse Alkoholmenge die Intensivität des Geschmacks und lässt die Geschmacksnerven explodieren, aber jeder muss für sich selber wissen ob er lieber einen leichten oder doch kräftig schweren Wein bevorzugt.

Der Geschmack der Weinliebhaber empfiehlt sich auch mal an den stärkeren Sorten zu versuchen und die Sinne entscheiden zu lassen aber durch eine Faustregel kann man sich aufgrund der Etikettangaben auf dem Etikett leiten lassen. Trockene Weine, also Weine bei denen der Zuckergehalt im Fass in Alkohol vergoren wurden und weniger als 12% Alkohol enthalten, sind wenig qualitativ – was sich ebenfalls auf den Geschmack auswirkt.

TANNIN (bei ROTWEINEN)

Tannin ist ein natürlicher Gerbstoff der bei der Weinherstellung entsteht. Er ist bei Rotweinen der Grund dafür, dass wenn sich viel Tannin gebildet hat der Wein ein kräftiges Aroma entwickelt.

Sobald aber Wein bitter schmeckt führt das darauf zurück, dass noch unreife Trauben gepflückt wurden. Ein Indiz dafür, dass bei der Weinherstellung zeitlich geschludert wurde. Sobald ein pelziges Gefühl auf der Zunge hinterbleibt, braucht man das Glas nicht weiter trinken. Vollreife Trauben machen den Geschmack eines Weines schön rund, tragen zu einem angenehmen Tanningehalt bei und prägen das Aroma.

DUFT – Bouqet

Bouquet – blumig, fleischig, komplex, pikant. Bei einer Weinverkostung stellt man sich meist den folgenden Vorgang vor: Die Weinflasche wird entkorkt, der Inhalt bis zur Hälfte in ein Weinglas geschenkt (bei Rotweinen ein bauchig großes Glas zur Sauerstoffzuführung, das Glas wird geschwenkt, sodass die Flüssigkeit an der Glasinnenwand herab perlt, die Nase wird ins Glas gehalten und danach wird erst der Geschmackssinn durch einen kleinen Schluck angeheizt.

Jeder Wein hat sein eigenes Bouquet (Duftaroma), welches dann wie oben aufgezeigt mehrere fachliche Begrifflichkeiten bestimmt. Der Duft gleicht aber keinesfalls dem Geschmack – riechen alleine reicht nicht. Nicht vom Geruch trüben lassen, auch wenn dieser vielleicht nicht direkt der Vorstellung eines guten Weines entspricht, kann der Geschmack dafür umso mehr eine Geschmacksexplosion sein. Gleiches gilt anders herum.

Weinliebhaber Tipp: Wenn der Wein nach dem Entkorken nach Essig, faulen Eiern oder Schwefel riechen sollte, braucht es keine Geschmacksprobe mehr, sondern der Inhalt kann schnellstmöglich entsorgt werden.

PREIS

Kleider machen Leute und der Preis bestimmt das gesellschaftliche Ansehen. Ein Trugschluss der auch bei der Weinexpertise noch zu oft in den Vordergrund gerückt wird. Ein teurer Wein muss nicht besser sein als ein günstiger. Auch bei Prädikats- oder Qualitätsweinen (die teuersten und qualitativsten Weinerzeugnisse), die in der Regel in der oberen Preisklasse mitschwimmen, gibt es Geschmacksunterschiede.
Also nicht vom Preis beeinflussen lassen. Eine teure Flasche Wein ist durch die unterschiedlichsten Faktoren zu rechtfertigen. Ob der Preis durch die Fertigung, Lagerung, öko- und biologische Standards oder die Rebsorte entsteht oder der Winzer einfach nur seinen Wein qualitativer aufstellen möchte. Entscheidend ist, dass der Wein einem selbst gefällt und man nicht seine Meinung „der Wein war teuer, der muss gut sein“ durch hohe Banknoten beeinflussen lässt.

ABGANG

Der Satz „harmonisch im Abgang“ ist soweit jedem bekannt. Erst riechen, dann schmecken und am Schluss wirken lassen. Ein harmonischer Nachgeschmack sollte bei jedem guten Wein das Weingeschmackserlebnis abrunden. Im Abgang muffig schmeckende Weine sind dem ein oder anderen vielleicht schon mal bei einer Weinverkostung untergekommen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass Geschmack bleibt und dieser von vorne bis hinten ein einheitliches Geschmacksbild haben sollte.

GESCHMACK

Vertraut eurer Zunge.
Lasst große Weine zu, die fruchtig säurehaltig, viel Körper haben und dadurch elegant schmecken und mit einem hohen Tannin- und Alkoholgehalt versehen sind.
Schreckt nicht vor fleischigen Weinen zurück. Wir reden nicht von Steak und Saltimbocca sondern von Weinen, die sehr muskulös und fruchtbetont sind.
Füllt die Gläser mit mineralisch schmeckenden Weinen, die erdige Aromen mit sich tragen.
Wer eher einen spritzigen dünnen Wein probiert und schmeckt, der erhält zwar wenig Aromen, dafür umso mehr Säure.

Und an die Männer: schreckt nicht vor dem Begriff „blumiger Wein“ zurück. Auch euch könnte ein etwas süßerer Wein mit einem Blumen Bouquet im Abgang sehr gut schmecken und je nach dem was ihr für eure Frauen kocht, passt dieser perfekt zu einem perfekten Dinner.

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