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Primitivo | Zinfandel | Crljenak Kaštelanski

Mehr über die Rebsorte erfahren




Ursprung und Geschichte

Die Primitivo-Rebe war lange Zeit umstritten. Ihre Herkunft war unklar, der Name zweifelhaft und der Anbau in vielen Regionen (z.B. Deutschland) verboten.

Erst 1999 gelang es durch eine DNA-Analyse die Stammrebe zu ermitteln. Es ist die kroatische Crljenak Kaštelanski. Der Name bedeutet die „Rötliche“, was dem Erscheinungsbild der robusten Rebe zuzuschreiben ist.

Die Primitivo-Reben wurden bereits 1825 über Wien nach Amerika verschifft. Dort fand die Rebsorte großen Anklang und zeitweise wurde sie zu der meist angebauten Rebe in den USA. Später lief der Cabernet Sauvignon ihr den Rang ab, doch heute rangiert sie noch mit 11% der Gesamtanbaufläche auf Platz zwei der angepflanzten Weinsorten in den USA. In Amerika wurde die Rebe unter dem Namen Zinfandel bekannt. Sie wurde hauptsächlich in Kalifornien angebaut und dort zu Rotwein, Rosé und Weißwein (blanc de noir) ausgebaut.

Frühe Untersuchungen erhärteten bereits die Vermutung, dass die Primitivo-Rebe mit dem amerikanischen Zinfandel identisch sei. In diesem Zusammenhang stellte man auch sicher, dass die begehrte Rebe erst seit 150 – 250 Jahren in Apulien (Puglia) angebaut wurde. Nachdem die Herkunft durch eine DNA-Untersuchung gesichert war, wurde die Rebe auch in Deutschland anerkannt und in kleinen Parzellen angebaut.

Das Hauptanbaugebiet liegt bis heute in Amerika, wo der Zinfandel (kroatisch: Crljenak Kaštelanski) seit Mitte des 19. Jahrhunderts seine zweite Heimat fand.

Zinfandel – ein Wein voller Erlebnisse

Der Primitivo gedeiht in Apulien hervorragend und ob seiner hohen Qualität wurde das bekannteste der Anbaugebiete, rund um die Stadt Manduria, mit dem italienischen DOC-Siegel geadelt. Die besten Primitivos kommen angeblich aus diesem Gebiet, der DOC-Zone Primitivo di Manduria. Für Kenner der italienischen Weine und der schwer zu durchschauenden Vergabeordnungen von Qualitätszonen in Italien, ist es nicht verwunderlich, dass auch aus anderen Anbaugebieten Apuliens vorzügliche Exemplare des Primitivo angeboten werden. Diese werden allerdings nur unter dem Siegel IGT Primitivo de Puglia vertrieben. Es lohnt sich also zu testen, gute Weine gibt es überall, als IGT oder DOC.

Primitivo – ein Genuss mit vielen Facetten

Als Primitivo in Amerika noch als Tafelwein gehandelt wurde, begannen italienische Winzer bereits mit dem gezielten Ausbau der Weine, von der genügsamen und robusten Rebe. Ihr Nachteil, der Hang zur Verrieselung, beschert oft schlecht kalkulierbare Erträge, was sich bei Lieferverträgen mit hohen Abnahmequoten nachteilig für den Winzer auswirkt. In meinen Augen vorteilhaft für den Liebhaber dieser Weine. Der sorgsame Ausbau der vorhandenen Erträge wirkt sich vorteilhaft auf die Qualität aus, macht den Primitivo aber nicht zu einem Massenprodukt, wie zum Beispiel dem Chianti aus der Sangiovese-Rebe oder Verschnitten daraus.

Die Weine von Primitivo-Reben zeichnen sich durch ihre Würze aus, den feinen Aromen von Zimt, schwarzem Pfeffer und Nuancen von Nelken. Der Hauch dunkler, vollreifer und duftschwangerer Waldfrüchte rundet das einzigartige Aromen-Potpourri ab und bleibt dem Genießer eindrucksvoll in Erinnerung.

Aromen und Gerüche

Im Glas zeigt der sich der Wein, dieser kleinen, dickhäutigen Beere, in einem tiefen Purpurrot. Er schmiegt sich homogen dem Glas an und macht einen satten, fast saftigen Eindruck. Am Gaumen wirkt der Primitivo warm und weich, gibt feine Würzen frei, die elegant mit samtigen Tanninen harmonieren. Der Tanninanteil der dickhäutigen, harten Beeren erfährt während der Fasslagerung eine Glättung der harten Spitzen, welche, von den würzigen, weichen Tanninen des Holzes, perfekt eingebunden sind und die zusammen den intensiven, aber weichen Charakter bilden. Er zeigt eine angenehme Fülle am Gaumen, die saftig und sanft gleitend den langanhaltenden Abgang bildet. Der Abgang eröffnet der Nase noch einmal bleibende, lang wirkende Eindrücke, von wie von einem leichten Sommerwind getragen. Er belegt die Sinne mit Aromafahnen nach Lakritz, frischem Zedernholz und einem Hauch von Zimt.

Primitivo-Weine, ob trocken ausgebaut oder mit einer angenehmen Restsüße behaftet, sind die idealen Begleiter zu einem großen Diner, dem gemütlichen Abend am Kamin oder einfach nur einem guten Glas Wein unter Freunden. Der Charakter des Primitivo ist ungebrochen, er hat sich durch die Wirren der Zeit gearbeitet und ist an den Hürden auf seinem Weg gereift und gestärkt worden. Heute hat die Rebsorte einen festen Platz in der Liga der begehrten Weine erlangt und muss den Vergleich mit den Großen ihrer Art nicht scheuen.

Ein paar letzte Worte zum Primitivo

Die Reben müssen das Rüstzeug mitbringen, wenn ein guter oder gar großer Wein daraus werden soll. Aber letztendlich ist es immer der gewissenhaften Arbeit des Winzers und der erfahrenen Kellermeister zu verdanken, wenn Großes den Keller verlässt und uns zu Hause erfreut. Es waren die italienischen Weinbauern, die das Potenzial des Primitivo erkannten und aus ihm das machten, was er heute darstellt:

Ein exzellenter Wein aus einer hervorragenden Rebe, mit eigenem Charakter, nicht für die Massenproduktion geschaffen, aber in den Händen kundiger Kellermeister, der Stoff, aus dem sie Wein zum Träumen machen.