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So bewertet man einen Wein nach Parker, dem Wein(Preis)macher

„Guten Tag, mein Name ist Parker und ich würde gerne Ihren Wein bewerten“.

So läuft das natürlich nicht ab.

Eingangs sollte man wissen, dass Weine, die das Parker-Bewertungssystem durchlaufen, dem Meister angekündigt und meist bekannt sind, selbst wenn sie später Bestandteile einer Blindverkostung werden. In der Regel werden die Verkostungen von Parker-Mitarbeitern organisiert. Das heißt, dass die zu verkostenden Weine von den Händlern bzw. Herstellern avisiert und geliefert werden. Ob die Verkostung nun einzeln passiert, unter Kenntnis des Weines und seines Herstellers oder ob die angekündigten Weine im Rahmen einer Blindverkostung bewertet werden, ist der Situation überlassen bzw. der Art des Events.

Wie alles begann

Der amerikanische Weinliebhaber und Rechtsanwalt R. Parker entschloss sich Ende der 80er Jahre dazu, Weine zu bewerten. Dazu entwarf er ein System, das seinen persönlichen Eindruck von einem Wein wiedergibt. Das Parker-System ist einfach zu verstehen. Die Zahl 100 steht für exzellente Weine ohne Fehl und Tadel, die 50 bis 69 charakterisieren Weine, die sich im unteren Bereich der Bewertungskriterien befinden.

Wenn man bedenkt, dass Parker jeden vorgestellten Wein grundsätzlich mit einer Basis von 50 Zählern ausstattet, ist klar, dass diese niedrigen Gesamtergebnisse nur wenig Zusatzpunkte (siehe auch unten:  Wie kann ich meinen Wein selbst bewerten?) für Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck erhalten haben. 70er und 80er Weine bilden bereits das Segment von einem unauffälligen Mittelfeld bis hin zu gut gelungenen Weinen. 90-96 Punkte sind bereits Oberliga-Weine. Die begehrte 100 Punkte-Marke erzielen nur sehr wenige Weine, wie zum Beispiel der heute noch umstrittene 1986er Léoville-las-Cases, der nach seiner 100 Punkte-Bewertung für ein wahres Preisspektakel sorgte (siehe auch unten: Bewertungstechnik zum Nachahmen).

Parker widmete sich insbesondere den heimischen, also den amerikanischen Weinen sowie den französischen aus dem Bordeaux und italienischen Produkten. Er hat sich auch im Burgund versucht, was jedoch nur ein kurzes Gastspiel in seiner langen Karriere war.

Die Macht des Parker-Systems

Aufgrund seiner Bewertungen sorgte er für eine wahre „Parkerisierung“ der Bordeaux-Weine, was nicht allen Winzern gefällt. Trotz seiner umstrittenen Person wurde er mit zahlreichen Ehrungen umworben, wie zum Beispiel die Erhebung in den Stand eines Ritters der Ehrenlegion Frankreichs. Zahlreiche Anfeindungen gründeten sich auf den Verdacht der Vorteilsnahme für befreundete Winzer und Weinhändler. Den härtesten Schlag gegen seine Neutralität erfuhr er durch seine ehemalige Mitarbeiterin Hanna Agostini, die ein Buch über ihn schreib und offenlegte, dass die Punktevergabe teils willkürlich und teils durch den persönlichen Einfluss der Hersteller tangiert seien. Der darauf folgende Rechtsstreit wurde mit einem Vergleich beschlossen.

Die Auswirkungen der Parker-Punkte auf den Handel sind unstrittig. So sind in Russland, China und anderen östlichen Ländern Weine, die über keine Parkerbewertung verfügen, quasi unverkäuflich. Wird ein Wein hoch bewertet, steigt die Nachfrage beträchtlich und die Preise erreichen Rekordwerte auf der ganzen Welt. Seine Verkostungsergebnisse veröffentlicht Parker alle zwei Monate in seinem Newsletter The Wine Advocate. Ob der großen Nachfrage zu seiner Bewertung bildete er ein Verkoster-Team aus, das ihn bei den Bewertungen unterstützt.

Der Stein des Weisen?

Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Mitbewerber, Weinkritiker, etabliert, die ebenfalls mit eigenen Systemen Weine bewerten und dokumentieren. Wie bei Parker sind es auch hier wieder die Eindrücke des Einzelnen, die in eine Werteskala ausgedrückt werden. Ein deutscher Weinkritiker, Eckard Supp, sagte es einmal ganz treffend:

„Der Wein muss dem Verbraucher schmecken, nicht dem Herrn Parker.“

Die Richtigkeit dieser Aussage muss er sich natürlich ebenfalls unterwerfen.

Diskrepanzen und Parallelen zur Bewertung von Robert Parker

Warum ist das Parkersystem umstritten und warum sind die Meinungen zu den Bewertungen häufig so konträr?

Mein Gedanke dazu ist, dass R. Parker Amerikaner ist und mit amerikanischen Weinen groß wurde. Das amerikanische Weine, afrikanische, chilenische oder australische oft eine dichtere Struktur aufweisen, schwerer, fruchtbetonter und alkoholreicher sind als französische, italienische bzw. europäische Weine, ist unbestritten. Die verschiedenen Terroireigenschaften, die Sonnenstunden und die Art des Ausbaus sind einige Gründe dafür.

Genau das sind aber die Weine, die R. Parker bevorzugt und deren Attribute er auch in den europäischen Weinen sucht und hoch bewertet. Nun sind Bordeauxweine nicht von einem tiefen rubinrot geprägt, sondern eher kirschrot. Sie sind nicht das Ergebnis einer einzelnen Rebe. Sie sind in der Regel das Ergebnis einer kunstvollen Zusammenstellung edler Weine, die, jeder für sich, einen wertvollen Bestandteil in die Cuveé einbringen und sie erst zu dem machen, was der Weinfreund liebt. Um dem Meister zu gefallen haben viele französische Weingüter ihre Arbeit umgestellt, oftmals unter der Mithilfe des renommierten Flying Winemakers Michel Rolland, der dafür bekannt ist, Weingüter zu „parkerisieren“ und somit zu höheren Bewertungen zu verhelfen.

Ruhestand und Resümee

2012 zog der Meister-Kritiker sich vom Tagesgeschäft zurück und verkaufte Anteile seiner Publikation an drei Hedgefondmanager aus Singapur, munkelt man.

Geschmacksabhängigkeit bei der Bewertung

Für diejenigen, die dem Geschmacksempfinden Parkers folgen, ist die Bewertung ein Segen und eine Kaufanweisung bezüglich Weinen, die man nicht selbst verkostet hat. Für Freunde von eigenwilligen Charakterweinen, die sich von der Masse abheben, denen man die Handschrift des Kellermeisters ansieht und die ihren wahren Charakter oft erst nach langen Jahren der Reifung zeigen, ist die Parkerisierung ganzer Regionen sicher kein Segen.

Parker beherrscht die Weinwelt, seine Bewertungen sind unangefochten und sein System schier unantastbar.

Wie kann ich meinen Wein selbst bewerten?

Ein kleiner Tasting-Tipp zum Schluss

Einen Wein nach dem personalisierten Parker-System zu bewerten ist Expertensache. Um das System zu verstehen und die Schwerpunkte zu fixieren, hat Parker Mitarbeiter ausgebildet. Dieses Team bewertet nach seinem Geschmacksempfinden, soweit es überhaupt möglich ist, die geschmacklichen und olfaktorischen Empfindungen eines anderen Menschen exakt zu interpretieren und mit dessen Worten wiederzugeben.

Wie geht man am besten vor?

Entwickeln Sie ein eigenes Gefühl für den Wein und versuchen Sie dieses, angelehnt an das Parkersystem, in Worte zu fassen.

Und so funktioniert es:

Die niedrigste Benotung sind 50 Punkte und bilden den schlechtesten Basiswert. Der Basiswert ist der Wert, dem nun Punkte für das Aussehen, dem Geruch, dem Geschmack und letztendlich dem Gesamteindruck hinzuaddiert werden. Daraus ergibt sich eine Gesamtsumme, mit der das Parkersystem den Wein klassifiziert.

Bewertungstabelle nach Robert Parker

Parker-PunkteBewertung der Weine
50 - 59Weine, die als inaktzeptabel erachtet werden
60 - 69Unterdurchschnittlicher Wein mit erkennbaren Mängeln beispielswiese extreme Säure / extreme Tannine, Geschmacksneutralität oder schlechte Geschmäcker / Gerüche
70 - 79Ein durchschnittlicher einfacher Wein mit wenig Unterscheidungskraft.
80 - 89Ein "gerade so" überdurchschnittlicher Wein im Vergleich zu sehr guten Weinen. Der bereits merkbare differenzierte Geschmacksnoten wiedergibt und keine erkennbaren Mängel haben darf.
90 - 95Ein hervorragender Wein mit außergewöhnlicher Komplexität und Charakter. Ein fantastischer Wein.
96 - 100An außergewöhnlicher Wein mit tiefgründigen und komplexen Charakter der alle Eigenschaften der Varietät von einem edlen Wein zeigt. Weine dieser Kaliber sind es wert besonderen Aufwand auf sich zu nehmen um sie zu finden, kaufen und zu verkosten.

Beispiel zur Weinbewertung nach Parker:

Basiswert 50

+ maximal 5 Punkte für das Aussehen, die Farbe etc.

Tipp: Betrachten Sie den Wein gegen eine helle, weiße Fläche (Tischdecke etc.), so entsteht ein unverfälschter Eindruck der Farbe.

+ maximal 15 Punkte für den Geruch

Tipp: Bauchige Gläser erlauben eine große Oberfläche, die durch Schwenken des Glases noch einmal erhöht werden kann. So dringen die flüchtigen Aromen besser bis zur Nase vor.

+ maximal 20 Punkte für den Geschmack

Tipp: Behalten Sie den Wein für kurze Zeit im Mund und achten Sie darauf, das auch die hinteren Geschmacksknospen vom Wein umspült sind. Das deutliche Einsaugen von Luft sorgt für eine Verwirbelung des Weines im Mund und der Freisetzung von flüchtigen Aromen, die nun deutlicher wahrgenommen werden.

+maximal 10 Punkte für den Gesamteindruck des Weines

Tipp: Geben Sie nur persönlich erlebten Eindrücken den Vorzug, jeder Mensch nimmt diese Eindrücke anders wahr und ein Erfahrungsaustausch bringt Sie auf dem Weg zum persönlichen Favoriten nicht weiter.

Gesamtsumme X

Je höher die Summe ausfällt umso näher sind Sie Ihrem Lieblingswein gekommen. À votre santé !

Bewertungstechnik zum Nachahmen:

Weine, die mit ihrer Gesamtpunktzahl zwischen 50 und 75 liegen, sind schwache Weine, ohne Ausdruck und Tiefe. Weine, die zwischen 75 und 79 Punkte erzielen, liegen im Mittelfeld, weisen keine besonderen Attribute auf. Sind somit eher unauffällig.

Sind 80 bis 84 Punkte erreicht hat man einen gelungenen Wein vor sich, der dem Winzer und Kellermeister gute Arbeit bescheinigt.

Liegt die Gesamtpunktzahl gar bei 85 bis 89, kann der Wein als sehr gelungen bezeichnet werden.

Von bemerkenswerten Weinen spricht man ab einer Punktzahl von 90 bis 95.

Jetzt wird die Luft nach oben schon sehr dünn, aber Weine die sich als außergewöhnlich erweisen, werden mit 96 bis sagenhaften 100 Punkten bewertet, was die Krönung aber auch die Ausnahme darstellt.

Parker-PunkteBewertung der Weine
50 - 59Weine, die als inaktzeptabel erachtet werden
60 - 69Unterdurchschnittlicher Wein mit erkennbaren Mängeln beispielswiese extreme Säure / extreme Tannine, Geschmacksneutralität oder schlechte Geschmäcker / Gerüche
70 - 79Ein durchschnittlicher einfacher Wein mit wenig Unterscheidungskraft.
80 - 89Ein "gerade so" überdurchschnittlicher Wein im Vergleich zu sehr guten Weinen. Der bereits merkbare differenzierte Geschmacksnoten wiedergibt und keine erkennbaren Mängel haben darf.
90 - 95Ein hervorragender Wein mit außergewöhnlicher Komplexität und Charakter. Ein fantastischer Wein.
96 - 100An außergewöhnlicher Wein mit tiefgründigen und komplexen Charakter der alle Eigenschaften der Varietät von einem edlen Wein zeigt. Weine dieser Kaliber sind es wert besonderen Aufwand auf sich zu nehmen um sie zu finden, kaufen und zu verkosten.

 

Bildquelle: https://www.erobertparker.com/

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Guenter J. Lehnen

Guenter J. Lehnen

Sehr geehrter Leser, Mein Spezialgebiet sind die europäischen Weine, Weinbau, Weinausbau und die dazu gehörige Technik. Ich schreibe Texte für Winzer, Winzergenossenschaften und Weinverkäufer, die eine passende, aussagekräftige Beschreibung für ihre Weine benötigen. Meine Texte beschäftigen sich im Wesentlichen mit Weinbaugebieten, deren Weine, Besonderheiten und ihren kulturellen sowie kulinarischen Leckerbissen. Guenter J. Lehnen

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