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Das Weinetikett – Ein Blatt voller Worte

Von vorne – von hinten.
Weinetiketten sind neben Flaschen- und Weinfarbe das Aushängeschild und der Aufmacher vor jedem Weinkauf und präsentieren Inhalt, Herkunft, Traube…Wir Weinliebhaber sind dem nachgegangen, was regelrecht auf einem Weinetikett stehen muss und was die Angaben für den Genießer bedeuten.Gerade im Urlaub weiß man nicht genau, was die Qualitätsbeschreibungen auf den Weinetiketten in fremden Sprachen bedeuten. Wir haben ein paar europäische Qualitätsstufen übersetzungsgetreu aufgeführt. Santé

Weinetikett | hinten

Fangen wir doch einmal hinten an.
Auch früher waren die Menschen bereits Weinliebhaber und wollten ihre Getränke voneinander unterscheiden – mit einem Rollsiegel.
Später modernisierten die Griechen und Römer diese Kennzeichnung und hingen einen Anhänger an die Amphore. Durch das Mittelalter trunken sich gut und weniger gut Betuchte hindurch bis die Zeit des ersten Druckverfahrens (Lithografie) eingeläutet wurde.
Seit jeher wurden Weinflaschen mit dem heute bekannten Etikett bedruckt.

Weinetikett | vorne

Heute ist reglementiert was auf dem Etikett stehen muss (verpflichtend) und was als freiwillige Angabe hinzugefügt werden kann. Grund ist dafür die Transparenz, die man allen Käufern auch europaweit gewährleisten möchte.
Ob die Angaben vorne oder auf der Rückseite des Etiketts erscheinen ist fei überlassen, aber rein aus logischen Werbezwecken, dienst das Vorderetikett als Appetitanreger und einordnendes Element und die Etikett Rückseite als rechtliche Haupt-Informationstafel.

Verpflichtende Angaben in Deutschland

Weinliebhaber auf einen Blick:

  • Verkehrsbezeichnung (Perlwein, Wein, Schaumwein etc.)
  • Landwein, Qualitätswein oder Prädikatswein (mit Herkunftsangabe)
  • Alkoholgehalt (in Vol. %)
  • Herkunftsangabe (1. Ohne geografische Angabe; 2. Wein mit geschützter Ursprungsangabe; 3. Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung)
  • Abfüller (Name des Herstellers, Winzer)
  • Geschmacksangabe (bei Sekt)
  • Prüfungsnummer (bei Sekt, Qualitätswein und Prädikatswein)
  • Geschmacksangabe (bei Sekt bspw. Brut oder Trocken)
  • Allergene (1. Behandlungsbasis/Reinigen auf Basis von Milch/Ei: Kasein, Albumin und Lyzosym über 0,25 ml/g; 2. Schwefeldioxid über 10 ml/g)
  • Losnummer (Kennzeichnung der Verkaufseinheit, welche durch die Prüfungsnummer ersetzt werden kann)
  • Nennfüllmenge (wie viel Liter in der Flasche enthalten sind)

Die Deutschen Güteklassen

Unter diesen Pflichtangaben werden dann noch die Qualitätsstufen des Weins aufgeführt. Die hier aufgeführten Qualitätsstufen beziehen sich auf Deutschland, da diese national und dementsprechend für jedes Land individuell vergeben werden.

Die Einstufung erfolgt durch die Faktoren des Alkoholgehalts, des Mostgewichts und des Anbaugebiets:

  • Tafelwein
  • Landwein
  • Qualitätswein (dieser wird noch nach Anbaugebieten differenziert; Abk. Q. b. A.)
  • Prädikatswein

(von oben nach unten höhere Qualität)

Freiwillige Angaben auf dem Weinetikett

Jeder Wein, der abgefüllt wird, wird in einer Weinbuchführung gelistet. Darunter stehen dann auch die freiwilligen Angaben:

  • Erntejahr
  • Rebsorte (der Wein muss mindestens zu 85% aus dieser Rebsorte bestehen)
  • Erzeugerbetrieb (nur bei Qualitäts-, Prädikats- und Landwein)
  • Genaue geografische Angabe (Ortsteil von Qualität- und Prädikatsweinen)
  • Erzeugerverfahren (bspw. „Im Barrique gereift“, dies ist nicht bei Verwendung von Eichenchips zulässig!)
  • Traditionelle Begriffe (bei Land- und Qualitätswein bspw. Schillerwein oder Kabinett)
  • Geschmacksangabe (immer in Abhängigkeit vom Zucker-Säure-Verhältnis und dem Zuckergehalt: 1. Trocken: Restzuckergehalt max. 9 g/l; 2. Halbtrocken: Restzuckergehalt max. 18 g/l; 3. Lieblich: Restzuckergehalt max. 45 g/l; 4. Süß: Restzuckergehalt über 45 g/l)

Zusätzliche freiwillige Angaben

Weil die Flasche sich im Weinregal selbst verkaufen muss und nicht immer ein Sommelier beratend zur Seite steht, gibt es zusätzliche Angaben, die zugelassen sind. Diese müssen jedoch wahrheitsgetreu sein, ansonsten unterliegen sie dem Irreführung- und Täuschverbot:

  • Bio (Bio- und Öko-Weine müssen angabentechnisch deutlich voneinander getrennt sein)
  • Veganer Wein (hier muss die Angabe stehen, dass bspw. kein Kasein zum Filtrieren beigemischt wurde)
  • Verzicht von Zusatzstoffen (bspw. „ohne Süßung“)
  • Analysedaten (bspw. Säure oder Restzuckergehalt)
  • Lagerungsbedingungen
  • Speiseempfehlung (bspw. Trinktemperatur)
  • Verwendungsempfehlung (bspw. „harmoniert durch die leichte Säure fabelhaft zu Fischgerichten“)
  • Charakteristische Eigenschaften (bspw. vollmundig, kräftig, leicht säuerlich etc.)
  • Geschichte des Weins / Betriebs

Die Wahl des Weines ist nicht ganz einfach

Wie man sieht versucht ein Weinetikett die Entstehungsgeschichte eines Weines zu erzählen und den Geschmack einzuordnen.
Aber versuchen wir uns mal selber in unsere bisherigen Weinkäufe hineinzuversetzen. Auf was hat man eher Lust? Im Sommer vielleicht ein kühler Weißwein oder Rosé, im Winter führt der Griff dann öfters mal zur Rotweinflasche. Zu welchem Anlass möchte man den Wein trinken, welche Gäste werden erwartet? Geht man nach seinem Geschmack oder möchte man den Weingeschmack anderer gerecht werden? Wer auf die Umwelt und Inhaltsstoffe achtet, bedient sich an Bio-Weinen oder hat eine Lieblings-Wein-Region, welche die Auswahl einschränkt.

Prädikats- und Qualitätsweine

Wie oben bereits erwähnt, kann man auch das Beste vom Besten in den Einkaufskorb legen. Prädikats- oder Qualitätsweine. Etwas ganz besonderes und vom Geschmack her buchstäblich ausgezeichnet.
Prädikatsweine können sich als solche nennen, wenn sie:

  • aus einem zugelassenen Anbaugebiet mit der gleichen Rebsorte angebaut und hergestellt werden
  • einen je nach Landesverordnung festgelegten Mindestalkoholgehalt (Most) enthalten
  • einer Qualitätsweinprüfung unterzogen worden sind und dadurch eine amtliche Prüfungsnummer enthalten, die auf dem Etikett vermerkt wird
  • und diese Weine dürfen nicht vor dem 1. März des Folgejahres abgefüllt und verkauft werden

Welche Weine gehören denn nun zu den Qualitätsweinen?

Neben Spätlese (es dürfen nur vollreife Trauben aus einer späten Lese verwendet werden), Trockenbeerenauslese (Verwendung von weitgehend eingeschrumpften edelfaulen Trauben), Beerenauslese (edelfaule oder mindestens überreife Trauben) und Auslese (vollreife und edelfaule Weintrauben) befinden sich noch Kabinett (Wein, der gesetzlichen Vorschrift entspricht und je nach Anbaugebiet einen bestimmten Reifegrad hat) und Eiswein (Trauben müssen bei Lese und Kelterung gefroren sein) auf der Prädikatsliste – früher auch Qualitätswein mit Prädikat genannt.

Mit Prädikat bedeutet also, dass man vor sich einen „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“ (QbA) stehen hat, dem kein zusätzlicher Alkohol beigemischt wurde und wie beim Prädikatswein bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Anbaugebiete die nicht unter „Qualitätsweingebiete“ fallen dürfen trotz eingehaltener Richtlinien ihren Wein nicht als Qualitätswein ausgeben.

Momentan sprechen wir Weinliebhaber größtenteils von deutschen Weinen aber wie werden Etiketten und Qualitäten im Ausland gerankt?
Internationale Qualitätsstufen werden in Europa von der europäischen Weinmarktordnung überwacht. Weinrecht bedeutet hier also Europarecht. Trotzdem hat jedes Mitgliedsland einen großen Handlungsspielraum, was die Anforderungen an das Etikett und dessen Angaben bestimmt.

Man sieht, dass die Qualität des Weins auf dem Etikett vermerkt wird, man aber auch das Kleingeruckte lesen und verstehen muss. Natürlich kann man darauf achten aber wenn man einmal einen guten Wein gefunden hat, der einem selbst und auch anderen super schmeckt, zählt nur eins: Der Genuss, der Geschmack und einen schönen Abend mit Freunden.

Wer aber dann doch Weine von weiter weg genießen möchte, der kann sich an folgenden Weinrecht-Bestimmungen pro Land orientieren:

Italien

Eines der beliebtesten Weinanbaugebiete alleine schon wegen den optimalen Klimabedingungen.
Unterste Klasse „Vino da Tavola“ – Tafelwein. Weine, die auch aus örtlich nicht zugelassenen Trauben gewonnen werden.
Mittlere Klasse „Indicazione Geografica Tipica“. Wie man der Bezeichnung schon entnehmen kann, ist es eine Qualitätsstufe, die zwischen DOC und Tafelwein hergestellt wird. Aufgrund einer höheren geografischen Anbaufläche ist es dem Tafelwein gleich, muss aber höheren Qualitätsstandards entsprechen.
„Denominazione di origine controllata“ umschreibt die Qualitätsanforderungen der zweithöchsten Klasse. Hier wird der Ertrag, die Weinherstellung, die zulässigen Rebsorten, der geografische Ursprung und die Lagerung bestimmt.
Die höchste Klasse – „Denominazione di origine controllata e garantita“ – definiert nochmals höhere Qualitätsansprüche.

Frankreich

Sich fühlen wie Gott in Frankreich hat wahrscheinlich auch etwas mit den weltbesten und ausgezeichnetsten Weinen aus diesem Land zu tun.
Tafelwein wird hier auf dem Etikett als „Vin de Table“ gekennzeichnet und hat einen Mindestalkoholgehalt von 8.5%.
Landwein ist als“Vin de Pays“ auf dem Etikett zu finden und umfasst die dritte Klasse aus einem definierten und abgegrenzten Weinanbaugebiet mit geregelten Anforderungen, um diese Betitelung zu erhalten.
„Vin Délimité de Qualité Supérieure“ – Weine aus 26 festgelegten Gebieten, die einer geringeren Anforderung als die der höchsten Klassifizierung unterliegen.
„Appellation d’Origine Contrôlée“ oder auch „AC“ / „AOC“ umfasst an die 400 Weine und bestimmt die Premiumklasse französischer Weine.

Spanien

Auch Spanien bietet eine große Karte an unterschiedlichsten Tropfen. Vorzugsweise werden vor allem spanische Rotweine gekauft.
Tafelweine – „Vinos de Mesa“. Der einfachste Wein mit den geringsten Anforderungen.
Landweine – „Vinos de la Tierra“. Entsprechen etwa dem französischen „Vin de Pays“.
„Vinos de Calidad con Indicación Geográfica“ (VCIG) – die einfachste Qualitätsweinbezeichnung.
„Denominación de Origen“ (D.O.) – entspricht dem französischem AOC oder dem italienischen DOC. Es sind Weine mit einem Prädikat für bestimmte Weinanbaugebiete mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung.
„Denominación de Origen Calificada“ (D.O.Ca.) – strengere Vorschriften als bei den „D.O.“ Weinen und beschreibt klassifizierte Weine mit Ursprungsbezeichnung.
„Vino de Pago“ – wer sich diesen Wein in seinen Vorrat holt, der hat die Spitzenklasse der spanischen Weine gefunden. Hier werden nur einzelne Weingüter klassifiziert und bestimmt demnach die höchste Klassifizierung nach spanischem Weinrecht.

Griechenland

Griechischer Wein – damit verbindet man noch heute blaue Dächer, weißen Strand und eine unbeschwerte Atmosphäre mit einem Glas Wein in der Hand.
„Epitrapezeos Oinos“ – dies ist eine Einstufung für einfache Weine. Darunter fallen „Cava“, ein Tafelwein der lange gelagert wurde und „Retsina“, ein trockener Weißwein, der mit Harz versetzt wird.
„Topikos Oinos“ – setzt sich auf die gleiche Stufe wie der „Vin de Pays“.
„O.P.E.“ – entspricht dem italienischen „DOC“ und ist die erste Stufe für griechischen Qualitätswein.
„O.P.A.P.“ – bedient die höchste griechische Qualitätsstufe und kann dem italienischem „DOCG“ oder dem französischem „AOP“ gleichgestellt werden.

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